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Was ist Bildung?

Der IB ist mit seiner Geschichte und seinem Selbstverständnis, seinen Angeboten und Arbeitsfeldern ein differenzierter Sozialisations-, Lebens- und Qualifikationsraum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In ihnen werden mit pädagogischen Medien vielfältige Hilfen in der Persönlichkeitsentwicklung bzw. Identitätsbildung und der beruflich-sozialen Integration angeboten und ermöglicht. Vor allem aber ist der IB ein Träger in der Vermittlung und Aneignung von Kompetenzen sowie von Bildung im weitesten Sinne. Dabei eröffnet, fördert und organisiert er mit seinen Räumen und Zeiten, Angeboten und Arbeitsfeldern sowie seiner partizipativen Professionskultur – mit Blick auf das wechselseitige Verhältnis von Pädagogischem, Sozialem und Politischem – vielfältige Arrangements und Gelegenheiten von Bildungs- und Demokratieerfahrungen. Bildung ist ein komplexer und vielschichtiger Begriff, der verschiedene Facetten umfasst.
Er impliziert im gängigen Verständnis Wissen und Können, schließt gleichzeitig die Herausbildung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen inklusive (inter-)kultureller Kompetenzen und Reflexionsvermögen ein, die sich ein Mensch im Laufe seines Lebens aneignen kann bzw. muss. Somit ist Bildung ein dynamischer, lebensbegleitender Prozess, in dem der Mensch neben allgemeinen und spezifischen Fähigkeiten sein Selbstbild und sein Weltbild entwickelt und an den humanistischen und grundrechtlichen Werten orientierte Haltungen und Verhaltensweisen ausbilden soll. Dieser ganzheitliche Lern- und Entwicklungsprozess befähigt jedes Individuum entsprechend seinen individuellen, familialen und gesellschaftlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten zu einer vernünftigen Selbstbestimmung und einem reflektierten Umgang mit sich selbst, der Welt und seinen Mitmenschen, mithin seiner Entwicklung zu einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

Im Grundsatzprogramm des IB, das 2003 auf der Mitgliederversammlung beschlossen wurde, lautet eine der Kernaussagen zu seiner Bildungsarbeit: „Bildung ist mehr als Schule und endet nicht mit dem Schulabschluss. Ein umfassendes Bildungsverständnis bedarf der Einbeziehung und wechselseitigen Zusammenarbeit aller Bildungsorte. Die Leistungen des IB für Kinder, Jugendliche und Erwachsene eröffnen ein breites Bildungsangebot, denn der IB begreift Bildung als eine seiner zentralen Aufgaben, die in enger Wechselwirkung zu Familie, Schule, beruflicher Bildung, Weiterbildung und zur Gesellschaft insgesamt steht.“ Schon in der Bildungsdiskussion zu Beginn dieses Jahrtausends und in der ersten Formulierung seines Bildungsverständnisses im Jahr 2004 erkannte der IB die gleichwertige Bedeutung der unterschiedlichen Bildungssettings:

  • Die formale Bildung umfasst curriculare, zeitlich aufeinander bezogene, differenzierte, methodisch unter Berücksichtigung des Lernvermögens aufgebaute Bildungsangebote. Diese haben weitgehend verpflichtenden Charakter und führen idealerweise zu anerkannten Leistungszertifikaten.
  • Die non-formale Bildung schließt alle Formen organisierter Bildung ein, die Angebotscharakter haben und freiwillig sind. Lernprozesse können dabei systematisch geplant und durchgeführt werden; sie werden in der Regel nicht zertifiziert.
  • Informelles Lernen umfasst die ungeplanten und nicht strukturierten, gleichwohl aber beeinflussbaren Bildungsprozesse, die sich u.a. im Alltag von Familie, in Schule und Ausbildung, in Freizeitzusammenhängen und Medien sowie in privaten Netzwerken ergeben oder initiiert werden können.

Dieses Verständnis schließt ein, dass in jedem Setting – wenn auch in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichem Umfang – an der Herausbildung von Kompetenzbereichen gearbeitet wird bzw. gearbeitet werden muss, und die Kooperation aller drei Bereiche eine Voraussetzung für erfolgreiche Bildung darstellt.

Nur wenn allen drei Bildungsformen (Settings) gleichermaßen Raum und Zeit geboten wird, realisiert sich Bildung optimal im Sinne eines ganzheitlichen Lern- und Entwicklungsprozesses.

Bildungsangebote des IB

Diese Überlegungen setzt der IB in seinen vielfältigen und differenzierten Bildungsangeboten um. So engagiert er sich etwa dafür, dass im Rahmen der beruflichen Qualifizierung die non-formale Bildung mehr Anerkennung findet. Gerade in der Erwerbsbiografie sind noch immer vorwiegend formale Qualifizierungen ausschlaggebend. Daher setzt der IB auf neue Methoden und Instrumente, die vielfältige Lernsettings einbeziehen. Neben der beruflichen Qualifizierung schaff t der IB für Kinder und Jugendliche Lernorte und -zeiten frei von Leistungszwang – so etwa in den Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in den Jugendmigrations- und den Freiwilligendiensten sowie in Bereichen des ehrenamtlichen Engagements. Hier entwickeln Kinder und Jugendliche „wie von selbst“ Sozial- und Gestaltungskompetenzen und können Selbstwirksamkeit erfahren.

Darüber hinaus werden die funktionalen, strukturellen Bezüge und Effekte der Bildungsarbeit im IB stetig evaluiert und verbessert. Seit seiner Gründung hat sich der IB als fester und vielseitiger Partner etabliert, der Bildung und Soziale Arbeit unter einem Dach vereint und lösungsorientiert den Blick auf den Ausbau von räumlichen, sozialen, kommunikativen und institutionelle Barrieren in der Bildung lenkt. Ein zukunftsfähiges, durchlässiges und inklusives (Bildungs-)System kann nur dann geschaffen werden, wenn die unterschiedlichen Professionen und Angebote den Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden und integrierend wirken. Deswegen plädiert und streitet der IB für die gesellschaftliche und politische Anerkennung der Sozialen Arbeit als unverzichtbaren und gleichwertigen Bestandteil eines inklusiven Bildungssystems, um Möglichkeiten der gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Teilhabe zu fördern.

Für eine erfolgreiche Praxis ganzheitlicher Bildungsarbeit (Entwicklung alle Kompetenzbereiche) ist somit eine umfassende Netzwerkarbeit unerlässlich. Vor dem Hintergrund seiner breit aufgestellten fachlichen Expertise möchte der IB dazu beitragen und anregen, das Bildungssystem und die sozialen Hilfesysteme gemeinsam und als lernende Bildungslandschaften zu denken, institutionelle Grenzen aufzubrechen und stärker in den Dialog zu treten, um individuelle und bedarfsgerechte Förderprozesse zu ermöglichen. Deswegen sind alle Angebote des IB immer auch in vielfältige Kooperationsbeziehungen und Netzwerke eingebunden. Nur in dieser dynamischen und wechselseitigen Abstimmung können die Bildungsangebote tatsächlich die Bedarfe der Zielgruppen erfassen und diesen gerecht werden.

Gundhaltung, Leitgedanken und Ziel der Bildung

Der IB sieht seine Aufgabe darin, Menschen in ihrem individuellen Entwicklungsprozess zu begleiten und zu unterstützen. Gemäß seines Leitbildes ist das Ziel des IB, „Menschen dabei zu helfen, sich in Freiheit zu entfalten, ihr Leben selbst zu gestalten, sich in die Gesellschaft einzugliedern, persönliche Verantwortung zu übernehmen und die gesellschaftliche Entwicklung mitzugestalten“ – kurz Menschsein zu stärken. Dabei sind Selbstwirksamkeitserfahrungen ein wichtiges Moment eines jeden Lern- bzw. Entwicklungsprozesses.

Der IB orientiert sich in seinem Bildungsverständnis am Leitprinzip des lebensbegleitenden und lebensweltbezogenen Lernens und bezieht alle Lebensphasen des Menschen ein: Kindheit, Jugend, Berufstätigkeit, Familienzeit, eventuelle Arbeitslosigkeit und den Ruhestand. Die Achtung des menschlichen Grundbedürfnisses nach gesellschaftlicher und sozialer, beruflicher sowie kultureller Teilhabe bildet den Kern des Menschsein Stärkens.

Diese Arbeit kann nur durch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter*innen sowie ihre Achtung und Anerkennung verwirklicht werden, die jeden Menschen gleichermaßen ernst nehmen, ihn in seinem individuellen Sein ebenso wie in seinen soziokulturellen Prägungen anerkennen und ihn darin unterstützen, seine Teilhabechancen zu realisieren. In diesem Sinne versteht der IB das Wirken in seinen vielfältigen Angeboten immer auch als Beziehungsarbeit.

Auf der Basis seiner im Leitbild festgeschriebenen Ziele, Menschen zu helfen, sich in Freiheit zu entfalten, ihr Leben selbst zu gestalten, sich in die Gesellschaft einzugliedern, persönliche Verantwortung zu übernehmen und die gesellschaftliche Entwicklung mitzugestalten, wird die Bildungsarbeit im IB von folgenden Leitgedanken bestimmt:

  • Der IB richtet seine Aktivitäten auf ganzheitliche Bildung aus, welche sowohl alle genannten Bildungssettings (formal, non-formal, informell) und alle Kompetenzbereiche als auch die Lebensumstände und den kulturellen Hintergrund des Einzelnen berücksichtigt, einbezieht und bei der Entwicklung persönlicher, sozialer und wirtschaftlicher Lebensperspektiven begleitet und unterstützt.
  • Der Bildungsarbeit im IB liegt ein kompetenzorientiertes Bildungskonzept zugrunde, das in allen Lebensphasen die Erfahrung von Anerkennung und Selbstwirksamkeit als Ausgangspunkt und die individuelle Selbstbestimmung zum Ziel hat.
  • Der IB verfolgt die Maxime „Bildung für alle!“. In seiner Angebotsvielfalt sind zielgruppenspezifische Bildungsleistungen enthalten, um Chancengerechtigkeit bei den Bildungszugängen für alle zu verbessern. Niedrigschwellige Bildungsangebote können zum Abbau struktureller Barrieren beitragen und die Fähigkeit eines jeden zur aktiven Inanspruchnahme von Bildung fördern.
  • „Interkulturelle Bildung“ wird im Verständnis des IB nicht als eine gesonderte Form von Bildung angesehen, sondern als die Anwendung seines Bildungskonzeptes in interkulturellen Kontexten – der „Faktor Kultur“ wird mitgedacht, wenn wir Mensch- Sein durch Bildung stärken möchten. Auch interkulturelles Lernen ist ein lebensbegleitender Prozess, der sowohl in informellen Settings als auch in der Arbeitswelt im Miteinander mit Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen abläuft, der aber auch gezielt durch interkulturelle Trainings für Mitarbeitende gefördert werden soll. Hieran soll in Zukunft verstärkt gearbeitet werden.
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ist von der UNESCO als „Weltaktionsprogramm“ gedacht. Das heißt, dass die Nachhaltigkeitsthemen wie Klimaschutz, Biodiversität u.a. in einem globalen Kontext gedacht werden und damit immer auch einen interkulturellen Dialog beinhalten. Die Methoden und Kompetenzen, die im Rahmen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung angewendet werden, sollen Lernende dabei unterstützen, einen globalen Blick zu entwickeln, der sie befähigt, diesen Dialog gewinnbringend zu führen.
  • Die Umsetzung umfassender Bildung kann nur gelingen, wenn das Bildungssystem und die sozialen Hilfesysteme Hand in Hand gehen. Deshalb sind für den IB das funktionale und strukturelle Zusammenwirken seiner Bildungsangebote von Bedeutung.
  • Der IB ist aktiv in der Netzwerkarbeit, denn eine Einbindung in enge Kooperationsbeziehungen ist die Voraussetzung dafür, die Angebote im Sinne der Zielgruppen verbessern zu können und sich für die Bedarfe der Zielgruppen stark zu machen.
  • Nur wer sich selbst stetig weiterentwickelt, vermag Andere in diesem Prozess zu unterstützen. Deshalb ist dem IB die Stärkung seiner Mitarbeiter* innen und Multiplikator*innen besonders wichtig, und so fördert er Strukturen und Angebote der Kompetenzentwicklung für Lehrende und Akteure im Bereich der Bildung und in den sozialen Arbeitsfeldern.
  • Die Bildungsangebote des IB orientieren sich an seinen Leitlinien, mit denen er in umfassender Form Demokratiebildung fördert. Das heißt, der IB sensibilisiert sowohl in seinem zivilgesellschaftlichen Engagement als auch in seinen vielfältigen Bildungsangeboten für ein gleichberechtigtes, demokratisches und friedvolles Zusammenleben in der Gesellschaft. Dabei wird Bildung gezielt an die Lebensrealitäten der Lernenden und deren Suche nach Orientierung und Deutung gekoppelt. Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit stärkt das individuelle Bewusstsein, ein souveränes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Sie befähigt auch Widersprüche aushalten zu können und fördert die Bereitschaft, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen.

Alphabetisierung und Grundbildung als Herausforderung in Deutschland und Aufgabe des IB

In Deutschland haben rund 6,2 Millionen Erwachsene im erwerbsfähigen Alter erhebliche Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, obwohl der größte Anteil von ihnen in Deutschland die Schule besucht hat. Dabei steht das hohe Ausmaß an funktionalem Analphabetismus bzw. geringer Literalität 1 von Erwachsenen im deutlichen Widerspruch zu den Anforderungen der bundesdeutschen Gesellschaft mit ihren hohen schriftsprachlichen Ansprüchen, die sich angesichts von fortschreitender Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt noch erhöhen.

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