Gemeinsam die Migrationsgesellschaft gestalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken
Wesentlicher Impuls für den Aufbau des IB war die Not der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch das Ende der NS-Herrschaft sowie durch Flucht und Vertreibung infolge des Krieges in mehrfacher Hinsicht heimatlos geworden waren. Dieser Antrieb war und ist prägend für das Engagement des IB in der Bildungs- und Sozialen Arbeit und zieht sich durch die Jahrzehnte und die wechselnden Herausforderungen im Hinblick auf Migration und das gesellschaftliche Zusammenleben hindurch.
Die Bundesrepublik ist trotz vielfältiger und konfliktreicher Debatten eine Migrationsgesellschaft und der IB ist im Feld der Sozialen Arbeit und in der Unterstützung von neu zugewanderten Menschen seit seinen Anfängen entsprechend seiner Satzung und seinem Leitbild engagiert. Migration verändert eine Gesellschaft kontinuierlich und gelingt unter der Voraussetzung, dass die neu Hinzugezogenen Teil des Arbeits- und sozialen Lebens in Deutschland werden und eine gemeinsame Zukunft gestaltet wird. Der IB sieht sich in der Verantwortung, den im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgrundsatz umzusetzen, der wegweisend für eine plurale Demokratie ist. Weil dabei Irritationen und Auseinandersetzungen, auch mit den eigenen Vorurteilen, nicht ausbleiben, ist eine konstruktive Diskussionskultur essenziell für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Als Sozial- und Bildungsträger gestaltet der IB diesen Prozess der Auseinandersetzung aktiv mit und fördert eine solche Kultur.
Bei der Beschreibung einer offenen und vielfältigen Gesellschaft erscheint der Begriff der „Integration“ als hinderlich, weil er häufig einseitig verwendet wird und in seiner Bedeutung von der jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Position einer Person abhängig ist. Zumeist findet er Verwendung, wenn von der „Eingliederung“ zugewanderter Menschen in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang die Rede ist. Dieser Prozess wird allerdings oftmals als eine einseitige Anpassungsleistung von Menschen mit Migrationsbiografie und deren Nachkommen an eine als homogen vorgestellte Mehrheitsgesellschaft erwartet. Dieses Verständnis von „Integration“ beruht zudem häufig auf Vorurteilen und rassistischen Ausgrenzungen. Einem erweiterten Verständnis nach kann sich „Integration“ aber auf einen offenen Prozess beziehen, an dem alle Teile der Gesellschaft beteiligt sind und der Chancengleichheit für alle anstrebt. Mit der Verwendung des Begriffs der „Integration“ geht daher das Dilemma einher, missverstanden zu werden oder falsche Verbündete zu finden. Da der Ausdruck jedoch nach wie vor in fachlichen und politischen Konzepten Anwendung findet, lässt er sich nicht vollkommen umgehen. Um diese Missverständnisse zu vermeiden und deutlich zu machen, dass „Integration“ in diesem weiteren Sinne in der Verantwortung aller Teile der Gesellschaft liegt, tritt der IB für das Konzept des „gesellschaftlichen Zusammenhalts“ ein, das ein gelingendes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Hintergründe zum Ziel hat. Es spiegelt wider, wofür sich der IB einsetzt: für Teilhabe, Bildung und Lebenschancen aller Menschen in einer pluralen Gesellschaft.
Das Fundament für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist die Anerkennung und Einhaltung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Gelebte Demokratie ermöglicht die Freiheit, das Leben individuell und mit den eigenen Zugehörigkeiten zu gestalten. Dabei steht der IB für gesellschaftliche Vielfalt im Sinne einer Gemeinwohlorientierung und vermittelt Vertrauen in Mitmenschen und in die Demokratie sowie in die handelnden Akteure*Akteurinnen und Hilfesysteme.
Der IB erkennt die Notwendigkeit, sich mit Rassismus und Diskriminierung aktiv auseinanderzusetzen. Dazu gehört eine Bewusstseinsbildung, um Vorfälle wahrnehmen, ansprechen und aufarbeiten zu können. Der IB begegnet Extremismus in all seinen Formen präventiv, er erkennt und thematisiert Ausgrenzungsprozesse frühzeitig.
Antidemokratische und menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus und Antisemitismus, Desinformation und Verschwörungsideologien hemmen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein Großteil der vielfältigen Gesellschaft in Deutschland ist im Alltag mit verschiedenen Diskriminierungserfahrungen konfrontiert. Daher setzt sich der IB in den Netzwerken vor Ort für diskriminierungsbewusste Strukturen ein, sodass vorurteilskritische Begegnungsmöglichkeiten für alle Mitglieder der Gesellschaft entstehen. Fachkräfte bekommen durch Fortbildungen die Möglichkeit, eine diskriminierungs- und rassismuskritische Haltung als Teil ihres professionellen Selbstverständnisses weiterzuentwickeln. Auf diesem Weg entsteht eine Sensibilität für strukturellen Rassismus in der Gesamtgesellschaft wie auch in der eigenen Organisation und eine Akzeptanz neuer Perspektiven. Jedoch ist jede gesellschaftliche Veränderung ein Prozess, der Zeit braucht, um wesentliche Teile der Gesellschaft auf diesem Weg mitzunehmen.
Der IB tritt mit der Idee vom „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ für ein erweitertes Verständnis von „Integration“ als einen Prozess ein, der alle Teile der Gesellschaft betrifft und zur Stärkung des gesellschaftlichen Miteinanders führt.
Damit unterstützt der IB einen Paradigmenwechsel, weg von der Diskussion über die Art und Weise der „Integration“ bestimmter zugewanderter Gruppen, hin zu einer respektvollen und vorurteilssensiblen Ausgestaltung des Zusammenlebens in einer offenen und vielfältigen postmigrantischen Gesellschaft. Ziel ist es, „Integration“ nicht auf Fragen der Migration zu beschränken, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt in den Blick zu nehmen. Die Zugehörigkeit aller hier lebenden Menschen zu ermöglichen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die der IB als zivilgesellschaftlicher Akteur annimmt und aktiv mitgestaltet. Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene setzt der IB sich dafür ein, dass Menschen mit vielfältigen Hintergründen und Perspektiven aktiv in gesellschaftliche Gestaltungsprozesse mit einbezogen werden. Durch kontinuierliche Fachveranstaltungen und Fortbildungen von Trägerseite wird die Auseinandersetzung mit einer offenen und pluralen Gesellschaft gefördert. In diesem Sinne dienen die vorliegenden „Positionen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“ als Anregung und Diskussionsgrundlage sowie als Impuls, gemeinsam Zukunft und Zusammenleben zu gestalten.
Leitfaden gegen Rechtsextremismus
Antidemokratische Gruppen und Einstellungen befinden sich weltweit im Aufwind und kommen zunehmend in der Mitte der Gesellschaft an. Besonders Rechtsextremismus und Rechtspopulismus treten immer häufiger zu Tage und verbreiten menschenfeindliche Ideologien, die auch schon in Deutschland zu schweren Hassverbrechen wie Brandstiftung und Mord führten. Rechte Parteien ziehen in die Parlamente und Stadtratsgremien ein und stellen somit eine zunehmende Gefahr für Demokratien dar.
Unsere demokratischen Werte wie die unantastbare Würde des Menschen, Freiheit, Gleichheit aller Menschen und Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden werden durch die ausgrenzende, menschenverachtende Sprache und Ideologie der Rechtspopulist*innen und -extremist*innen bedroht.
Demokratie ist aber nicht nur eine Staatsform, die sich durch Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Parteienwettbewerb, Mehrheitsprinzip und Minderheitenschutz auszeichnet. Demokratie ist ebenso unsere Gesellschafts- und Lebensform. Anfeindungen, Ausgrenzung und Menschenverachtung dürfen in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert und die Abwertung von anderen Menschen und Lebensausprägungen darf nicht zur Normalität werden. Zur Bekämpfung jeglicher Erscheinungsformen von Rechtspopulismus, Menschenfeindlichkeit und rechtsextremer Gewalt bedarf es einer aufmerksamen, handlungsfähigen und starken Zivilgesellschaft.
Seit seiner Gründung im Jahr 1949 setzt sich der Internationale Bund (IB) als zivilgesellschaftlicher Akteur für Menschen in schwierigen Lebenslagen ein und greift dabei auf seine langjährige Erfahrung zurück. Sein unternehmerisches Handeln basiert auf gesellschaftlichem Engagement und der Übernahme sozialer Verantwortung. Dabei richtet sich der IB gegen Diskriminierung und Rassismus und steht für demokratische Werte und Vielfalt ein.
Diese Zielsetzung verfolgt der IB im Rahmen seiner verbandspolitischen Arbeit, aber auch konkret in den Angeboten der Sozialen und Bildungsarbeit wie der Jugendsozialarbeit, Politischen Bildung oder dem Bundesprogramm „Respekt Coaches“. Demokratieförderung ist im IB eine Querschnittsaufgabe, die sich durch alle Arbeitsbereiche hindurchzieht. Darüber hinaus setzt sich die IB-eigene Stiftung „Schwarz-Rot-Bunt“ für Demokratie, Akzeptanz, Vielfalt und Toleranz ein und fördert Projekte, die das friedliche Zusammenleben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Dem Internationalen Bund ist es wichtig, allen Mitarbeitenden eine Hilfe für den Arbeitsalltag im Umgang mit den Phänomenen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zur Verfügung zu stellen. Dazu bietet diese Broschüre einen konkreten Praxisleitfaden. Sie hilft dabei, eine demokratische Grundhaltung und Zivilcourage in konkretes Handeln umzusetzen und bietet eine Übersicht über die unterschiedlichen Angebote des IB sowie Kontakte zu weiteren Anlaufstellen. Im Praxisleitfaden werden mögliche Szenarien der täglichen Arbeit des IB durchgespielt und jeweils eine Vorgehensweise empfohlen. Er lässt sich auch für andere extremistische Phänomene erweitern. Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, in der rassistische Übergriffe weiter zunehmen und somit eine tatsächliche Bedrohung für Einrichtungen, für Mitarbeitende und Kund*innen des IB darstellen können, konzentriert sich dieser Praxisleitfaden auf das Phänomen des Rechtsextremismus.
Flagge zeigen - Position beziehen!
IB-Kampagne "Schwarz-Rot-Bunt"
Manche Themen sind mal mehr und mal weniger in den Schlagzeilen - und doch immer aktuell. Die Auseinandersetzung mit Extremismus und Gewalt ist eines dieser Themen. Es bewegt den Internationalen Bund täglich in seiner Arbeit, in Projekten und Aktivitäten. Um unserem vielfältigen Engagement für Integration und Verständnis ein eigenes Gesicht zu geben, hat der IB die Kampagne gestartet: "Schwarz-Rot-Bunt" - IB pro Demokratie und Akzeptanz gestartet.
Die Kampagne ist ein Dach für zahlreiche Ideen, Aktionen und Projekte, die:
- das DAFÜR, nicht das DAGEGEN fördern
- Hoffnung und positive Perspektiven vermitteln
- aufklären, informieren und Argumente liefern für Akzeptanz und Verständnis
- Mut machen, offensiv Stellung zu beziehen und Zivilcourage fördern
- sich mit den Opfern von Gewalt solidarisieren
- vielfältig und integrativ sind
"Schwarz-Rot-Bunt" ist nicht nur unser Wunsch und unsere Vision. "Schwarz-Rot-Bunt" ist längst Realität: In einem lebendigen, vielfältigen Deutschland.